Lehre und Forschung contra Theorie und Praxis


Die besonderen Kennzeichen der Universität sind Forschung und Lehre. Geht es zum einen für die Institution und deren Lehrkörper darum, sich wissenschaftlich weiterzuentwickeln, so darf zum anderen dabei die Weitergabe des Wissens an die Studierenden nicht vernachlässigt werden. Dieser "Spagat" ist insbesondere für die Professoren nicht ganz leicht - geht es doch auch um ihre persönliche Reputation als Wissenschaftler und Hochschullehrer zugleich.

Keine Frage: Für die Studierenden sollte die Bildung der Persönlichkeit im Zentrum ihres Universitätsstudiums stehen. Das humanistische Bildungsideal à la Wilhelm von Humboldt lässt nach wie vor grüßen. Eine starke Förderung wissenschaftlicher Arbeitsweisen geht damit einher. Im Gegenzug werden Selbständigkeit und Organisationsvermögen von den Studierenden gefordert. Dies ist auch notwendig, um sich im heute recht anonymen Universitätsbetrieb mit Erfolg behaupten zu können.

Das Studium an einer Universität ist natürlich in der Regel kein Selbstzweck: Es dient vielmehr dazu, nach entsprechendem Studienabschluss die beruflichen Perspektiven zu optimieren. Der Begriff "Employability" steht für diese Zielsetzung: Ein möglichst frühzeitiger und problemloser Einstieg in das Berufsleben soll vor allem durch verkürzte Studienzeiten sichergestellt werden. In diese Richtung zielen auch die im Rahmen des "Bologna-Prozesses" seit 2005 in ganz Deutschland angebotenen Bachelor- und Masterstudiengänge.

Mit diesen neuen Regelstudiengängen wird der gemeinsame europäische Hochschulraum gestärkt. Die traditionellen Studiengänge - Diplom und Magister - sollen auf diese Weise ersetzt werden. Gerade mit der Einführung des Bachelor-Abschlusses wird der Berufspraxis in erhöhtem Maße Rechnung getragen: Nach nur drei bis vier Jahren Studium kann der Absolvent direkt in den Beruf einsteigen und sein theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen. Sollte er dann jedoch erkennen, dass ihm sein aktuelles Wissen nicht ausreicht, so kann er noch "draufsatteln" und in ein bis zwei Jahren seinen Master machen. Darüber hinaus hätte er auch die Möglichkeit gehabt, sofort nach seinem Bachelor-Abschluss den Master anzuschließen: Dafür hätte er insgesamt nur fünf Jahre benötigt.